Nemouta Wasserfälle - Peloponnes

Stürzender Wasserfall umgeben von Steinen und dichten Grün.

KIRCHE SOTEROS - WASSERFÄLLE


GEHZEIT - 5 h

DISTANZ - 20 km

HÖHENUNTERSCHIED - + 460 m

SCHWIERIGKEIT - schwer


Ein Tag voller Geschichte und Ruinen in Olympia lag hinter uns und um wieder ins Hier und Jetzt anzugelangen, machten wir uns auf den Weg ins Landesinnere. Wir wollten die Gegend um Olympia erkunden, die hügelige Landschaft, die uns schon bei der Hinfahrt in die Antike Stätte in ihren Bann zog. Bereits in Patras hat uns ein Einheimischer erklärt, dass die Region aufgrund ihrer Vegetation unglaublich schön sein soll, grüne Hügel und beeindruckende Flüsse. Und genau diesen waren wir auf der Spur, unser Ziel Nemouta!

Ausblick auf ein Tal mit Fluss und grünen Hängen.

Von Olympia kommend, haben wir wohl die falsche Entscheidung getroffen, als wir uns beim Blick aufs Navi für die Variante Schnellstraße entschieden hatten. Nach ein paar Kilometern standen wir vor einer Absperrung. Der schmalen Landstraße anschließend folgenden erreichten wir ein kleines Dorf. Die engen Gassen ließen wir hinter uns und hetzten unseren fahrbaren Untersatz in Serpentinen den Berg hinauf. Die Fahrbahn war allerdings mehr Feldweg als Straße. Wir erreichten schließlich das kleine, hochgelegene Dorf und entschieden uns etwas außerhalb, in der Nähe einer Kirche unser Lager aufzuschlagen. Von hier bietet sich ein tolles Panorama, das vom Meer im Westen über die hügelige Landschaft Nemoutas bis zu den schneebedeckten Bergen im Osten reicht.

Am nächsten Morgen starteten wir motiviert in den Tag. Eine etwas längere Wanderung stand heute auf dem Plan. Die Wasserfälle von Nemouta waren unser Ziel. Im Tal befindet sich der Fluss Erymanthos, der uns aufgrund seiner Färbung stark an den Acheron erinnerte. Durch die steilen und hohen Hänge in der Nähe Nemoutas bilden die Zuflüsse hier mächtige Wasserfälle. Wir hatten unsere Route geplant und schlenderten durch das beschauliche Dorf, als plötzlich neben uns eine ältere Frau mit ihrem roten, kleinen Auto anhielt und die Scheibe herunter ließ. Sie wollte wissen, ob sie uns helfen könnte und was wir denn überhaupt machen. Wir erklärten ihr, dass wir zum Wasserfall gehen würden. Das ist aber weit meinte sie und erläuterte, ohne Nachfragen unsererseits, den Weg. Etwas erstaunt, da sich ihre Beschreibung nicht ganz mit unserer Planung widerspiegelte, setzen wir das Gespräch fort. Die nette Dame schenkte uns im Anschluss ein selbst gemachtes Gebäck, das mit einem Friedenszweig geschmückt war. „We don‘t like war!“ meinte sie zum Abschied.

Eine Frau hält ein in Folie eingepacktes Gebäck.
Ein verbrannter Baum liegt im Wald untertags.

Wir ließen die bellenden Hunde des Ortes hinter uns und machten uns auf den Weg abwärts. Das ist das tückische bei solchen Wanderungen, dass der Rückweg den anstrengenderen Teil darstellt. Die Landschaft war von Waldbränden gezeichnet. Im Sommer zuvor hatte hier ein heftiges Feuer getobt und ganze Hänge dem Erdboden gleich gemacht. Verkohlte Bäume wiesen uns auf der Schotterstraße den Weg nach unten. Grundsätzlich könnte man die Strecke auch mit dem Auto zurücklegen, doch aufgrund der Beschaffenheit der Straße hielten wir uns an das Motto "Wer seinen Van liebt, der parkt." Nach circa 1,5 Stunden und 6 Kilometern kamen wir das Ziel unserer Route an. Hierzu mussten wir von der Straße nach rechts abbiegen und den neu eingeschlagenen Weg in einer Kurve nach links verlassen. Über eine grüne Wiese, in der die schwarzen Skelette alter Olivenbäume wachten, ging es letztendlich auf einem Trampelpfad zu den gewünschten Wasserfällen.

Ein kleiner Wasserfall umgeben von dichten Grün.
Eine Frau blickt auf einen kleinen, zugewachsenen Wasserfall.

Doch so hatten wir sie uns nicht vorgestellt. Verdammt, dachte ich nur, hatte die alte Dame doch recht gehabt. Wir genossen dennoch die Stille in der kleine Schlucht und beobachteten das Wasser, das sich über mehrere Kaskaden seinen Weg nach unten bahnte. Wir entschieden uns auf der Wiese unsere wohlverdiente Mittagspause einzulegen und uns zu beratschlagen, wie wir weiter vorgehen.

Lui meinte, dass ihr der Weg weiter hinunter und dann letztendlich wieder hinauf zu weit werden würde. Die Wanderung würde sich dann nicht mehr nur auf 12 sondern auf 20 Kilometer belaufen. Wir entscheiden uns getrennte Wege zu gehen. Ich marschierte an der Straße weiter hinab. Es folgte ein Hang, der sinnbildlich für diese Wanderung war. Die Länge der Strecke ergab sich nämlich nicht durch die Distanz zwischen dem Wasserfall und dem Ort, diese sind Luftlinie nur circa 2 Kilometer entfernt, aber durch die Steilheit des Geländes, müssen unzählige Serpentinen zurückgelegt werden.

Drohnenaufnahme einer kurvigen Straße.
Blühende Wiesen und verbrannte Bäume im Hintergrund.

Wie dem auch sei, nach weiteren 3,5 Kilometern erreichte ich den von der alten Dame im Dorf beschriebenen Punkt. „Kurz bevor es über den Fluss geht, ist links ein Schild“. Ja das Schild habe ich gefunden und es beschrieb das was kommen sollte ganz gut. „Achtung Erdrutsch“. Ich passierte den Stacheldraht an der Straße, den gelben Warnhinweis und folgte der Schlucht und dem Wasserlauf. Nach circa 200 Metern erreichte ich eine Linkskurve und der Blick fiel auf den Wasserfall, bzw. das was davon zu sehen war. Ein riesiger Gesteinsbrocken türmt sich hier vor euch auf, unter dem das Wasser hindurchfließt und wodurch nur einen Bruchteil des sich dahinter befindlichen Wasserfall zu sehen ist. Ich durchschritt das Flussbett und ging unter dem Stein hindurch. Ganz wohl war mir allerdings nicht, als ich mich unter dem gewaltigen Damoklesschwert befand. Anschließend müssen einige Steine überwunden werden, sprich ihr müsst ein bisschen klettern. Dahinter baut sich ein circa 20 Meter hoher Wasserfall auf, der die Anstrengung auf jeden Fall wert war!

Ein Wasserfall umgeben von großen Großbuchstaben und dichten Grün.
Ein Wasserfall umgeben von großen Großbuchstaben und dichten Grün.
Ein Wasserfall umgeben von großen Großbuchstaben und dichten Grün.
Ein Wasserfall umgeben von großen Großbuchstaben und dichten Grün.

Nachdem ich ein paar Fotos gemacht hatte und wieder heil aus der Schlucht heraus war, stärkte ich mich noch kurz mit dem zuvor bekommenen Gebäck und machte mich "langsam“ auf den Weg nach oben. Nach knapp 1,5 Stunden erreichte ich den Bus schweißgebadet. Ein Auto, das mich mit hoch nehmen könnte, ist natürlich nicht gekommen und so musste ich die insgesamt 10 Kilometer zu Fuß zurücklegen, aber das war es sowas von Wert! Ein Wasserfall wie aus dem Bilderbuch erwartet euch, wenn ihr eure Beine in die Hand nehmt. Nach dieser Anstrengung war erst einmal Entspannung angesagt. Wir schlugen die altbekannte Richtung ein, Süden. Der Voidokilia Beach war unser Ziel.





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