Potami - Euböa

Ausblick auf den einsamen langen Sandstrand beim Dorf Potami.

Nach unserer kräftezehrenden Wanderung auf den Ochi in Karystos zog es uns wieder Richtung Meer. Wir wollten den Süden der Insel Euböa erkunden. Einsame, traumhafte Buchten, weitestgehend unbesiedelt und ein wahres Mekka für Wanderer. Doch ein gut ausgebautes Straßensystem gibt es nicht, was uns fast zum Verhängnis werden sollte. Lasst uns aber von vorne beginnen!

Ein Frau steht bei Sonnenaufgang am Strand und im Vordergrund ist eine angelaufene Autoscheibe.

Wir wählten als Standpunkt für die nächsten Tage Potami aus, eine Handvoll Häuser im Süden der griechischen Insel. Über 30 Kilometer folgten wir der kurvigen, zum Teil mit Schlaglöchern und Schotterstellen übersäten Straße. Vorbei an unzähligen Windrädern, denn rund um den Berg Ochi befindet sich Griechenlands größter Windpark. 67 Windräder produzieren hier für circa 130.000 Haushalte Strom, der mittels Unterwasserleitungen zum Festland geleitet wird. Wie bei jedem Großprojekt gibt es aber auch Schattenseiten, so wurden rund um den Ochi beispielsweise besonders schützenswerte Landschaften zerstört.

Ein Frau blickt in kurzer Hose und Hut auf die Windräder der Insel Euböa.

Gut eine Stunde dauert die Fahrt von Karystos nach Potami und als wir endlich im Ort ankamen, begann die Stellplatzsuche. Wir fanden relativ schnell ein Fleckchen direkt am Strand, doch die Zufahrt wirkte auf den ersten Blick herausfordernd. Ein Feldweg, mit losen Steinen, doch wir entschieden, es zu wagen und fuhren die letzten 10 Meter hinab auf den Parkplatz. Mit Blick auf die menschenleere Bucht und das kristallklare Wasser schlugen wir dort unser kleines Lager auf.

Drohnenaufnahme von einen einsamen Strand im Süden der Insel Euböas.

Doch wer uns kennt, der weiß, dass wir nicht einfach tagelang am Meer liegen können. Deswegen hieß es bereits am zweiten Tag, erneut rein in die Wanderschuhe und ab zu weiteren einsamen Buchten. Wir folgten der kurzen Einfahrt unseres Parkplatzes, bis diese wieder in den Hauptweg mündete. Einmal links abbiegen und dann circa 3,3 Kilometer dem breiten Feldweg folgen. Bereits hier hatten wir einen herrlichen Ausblick auf die steinerne Küste Euböas und konnten es kaum erwarten uns endlich im erfrischenden Salzwasser abzukühlen.

Drohnenaufnahme einer kleinen Sandbucht mit blauen Wasser und einen kleinen Segelschiff.

Wir stießen auf eine kleine Bucht, die sich etwas versteckt neben einem großen Sandstrand befindet. Klares Wasser, die warmen Sonnenstrahlen und die wohlverdiente Abkühlung warteten bereits auf uns. Nach einem ausgiebigen Sonnenbad schnürten wir erneut unsere Schuhe und entschieden uns, nicht weiter zu wandern. Was wollten wir schließlich mehr? Besser ging es nicht! Grundsätzlich könntest du dem Weg folgen und du würdest zu weiteren Buchten und Strände kommen. Doch uns reichte es für heute, die Wanderung zum Berg Ochi lag uns darüber hinaus noch schwer in den Beinen.

Die steinernen Klippen am Strand bei Potami.
Drohnenaufnahme von einer einsamen Bucht mit herrlichen Wasser auf der Insel Euböa.

Was uns allerdings durchgehend beschäftigte, war die Frage, ob wir mit unserem Bus die kurze Rampe wieder hoch schaffen würden. Allrad haben wir nicht und so grübelten wir volle drei Tage darüber, ob es möglich ist oder ob wir uns in eine ausweglose Lage manövriert hatten. Am Morgen der Weiterfahrt war es dann schließlich so weit. Wir versuchten unser Glück. Nach drei Anläufen, die jeweils scheiterten, musste eine Planänderung her! Ich (Lui) bin für solche Situation nicht gemacht und war gefühlt kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Doch Beppo meinte ruhig, lass es uns rückwärts probieren. Und siehe da, gleich beim ersten Versuch schob sich unser Gefährt langsam aber sicher das kleine Stück hinauf. Noch einmal Glück gehabt! Auf den Stress brauchten wir erst einmal ein Abkühlung.

Ein hoher Wasserfall mit dichten Grün in der Nähe des Ortes Potami.

Wir folgten der Straße, auf der wir gekommen sind, wieder Richtung Karystos und kehrten dem malerischen Süden Euböas den Rücken zu. Doch einen kurzen Zwischenstopp hatten wir noch eingeplant. Ganz in der Nähe des Dorfes Potami befindet sich direkt am Straßenrand ein Wasserfall, der uns bei der Hinfahrt schon aufgefallen ist. Um unseren Puls wieder in den Griff zu bekommen entschieden wir, eine kurze Rast einzulegen. Wir folgten dem kleinen Wanderweg entlang des Wasserlaufes. Als dieser endete krempelten wir die Hosenhaxn hoch und wateten mit unseren Badeschuhen durch das knietiefe Bachbett. Bereits nach einigen Metern fühlten wir uns wie im Dschungel und unweigerlich an unsere Entdeckungstouren in Panama zurück erinnert. Die erfrischende Wanderung war nach der aufregenden Anfahrt ideal. Grundsätzlich würde sich in der Nähe noch ein weiterer großer Wasserfall befinden. Doch wir hatten für diesen Vormittag genug Adrenalin im Blut und rollten mit nassen Hosen langsam zurück in den Osten.





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