Karystos - Euböa

Mann steht am Gipfel des Ochi und blickt auf das Meer hinab.

WANDERUNG CASTELLO ROSSO - OCHI


GEHZEIT - 8 h

DISTANZ - 19 km

HÖHENUNTERSCHIED - +1.200 m

SCHWIERIGKEIT - schwer


Dass Euböa im Vergleich zu anderen griechischen Inseln noch ein relativ unbeschriebenes Blatt ist, was das Thema Tourismus anbelangt, merkten wir schnell. Vereinzelte Ferienhäuser und kleine Hotelanlagen passierten wir nur in den Hauptorten der Insel, ansonsten war die Küste und das Landesinnere noch ursprünglich und naturbelassen. Uns zog es in den Süden Euböas, zu einsamen Buchten und in die Berge, die ein wahres Paradies für Wanderer und Naturliebhaber darstellen.

Eine Frau steht neben riesigen Marmor-Säulen und blickt auf das Tal hinab.

Von Lefka führten uns die relativ gut erhaltenen Straßen nach Karystos, einem der Hauptorte auf Euböa. Wer nicht über den Landweg auf die Insel reisen möchte, kann auch mit einer Fähre von Rafina nach Marmari, einem Ort ganz in der Nähe, übersetzen. In Karystos herrscht geschäftiges Treiben. An der Uferpromenade reihen sich Cafés an Tavernen und wem nach etwas Kultur ist, der kann Bourgi, den venezianischen Turm, der aus dem 13. Jahrhundert stammt, besichtigen.

Wer die letzten Kilometer in die Stadt rollt, bemerkt sofort die imposante Burgruine am nahegelegenen Hügel. Das Castello Rosso stammt aus dem 13. Jahrhundert und thront hoch über der Stadt Karystos. Schnell war klar, dass das unser nächstes Ziel ist und auch die wolkenverhangene Bergkette lockte uns nach zwei Tagen Zwangspause, wegen starken Wind, aus unserem Bus. Grundsätzlich kann von der Stadt hinauf zur Burg gewandert werden, hierbei handelt es sich um circa 4 Kilometer und 300 Höhenmeter, da wir aber ein anderes Ziel hatten, parkten wir direkt vor der Ruine und bewältigten nur die letzten Meter zu Fuß.

Die Burgruine Castello Rosso mit Blumen im Vordergrund.
Drohnenaufnahme der Burg Castello Rosso untertags.

Die gut erhaltene Anlage entstand zur byzantinischer Zeit und wurde 1200 erweitert. Ein kleiner gepflasterter Weg führt durch das Gelände bis zum höchsten Punkt, wo sich ebenfalls eine kleine Kirche befindet. Ganz oben hatten wir einen herrlichen Ausblick auf die umliegenden Buchten von Karystos und auf unser morgiges Ziel, auch wenn sich dieses noch in ein Wolkenkleid hüllte.

Die Burgruine Castello Rosso mit ihrer Kirche untertags.

Die Rede ist vom Berg Ochi der sich imposant hinter der Burgruine auftürmt. Als Ausgangspunkt wählten wir das kleine Dorf Myloi, welches sich am Fuße des Burghügels befindet. Bereits um 7 Uhr am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg hinauf, denn wir wussten, dass es eine lange Wanderung werden würde. Die Wegbeschreibung ist eigentlich recht einfach, immer den roten Kreisen und Pfeilen durch das Dorf folgen. Das letzte Gebäude, das ihr hinter euch lasst ist ein Ziegenstall, hier müsst ihr rechts vorbei. Von hier aus schlängelt sich ein kleiner Trampelpfad den Hang hinauf. Solltet ihr entlang des Weges die roten Wegweiser verlieren, orientiert euch an den kleinen Steintürmen!

Ein VW-Bus steht am Rande der Burg Castello Rosso.

Nach einer Stunde Gehzeit erreichten wir das erste Highlight unserer Wanderung. 10 gigantische Marmorsäulen liegen hier mitten im Hang. Sie scheinen auf ihren Abtransport zu warten und noch nie hat der Spruch "Wie bestellt und nicht abgeholt." besser gepasst. Zur römischen Zeit wurden hier auf Euböa Säulen aus dem Hang gearbeitet, den Berg hinunter transportiert und über das Meer an das griechische Festland verschifft. Die Kylindir, wie die Einheimischen die verbliebenen bis zu 12 Meter langen Säulen nennen wurden damals für Tempel in Athen benötigt. Doch mit dem Untergang des römischen Reiches, gerieten diese in Vergessenheit und warten seitdem auf ihre Einsatz.

Eine Frau sitzt neben riesigen Steinsäulen und blickt auf das Tal hinab.
Drohnenaufnahme von den riesigen Marmorsäulen bei Karystos.
Die liegenden Marmorsäulen im Morgengrauen.

Unser heutiges Ziel war jedoch noch nicht erreicht. So kehrten wir den beeindruckenden Säulen nach einer wohlverdienten Pause den Rücken und folgten den roten Kreisen weiter hinauf. Der Trampelpfad weist einen über zum Teil große Steine und durch dichtes, stacheliges Gebüsch. Teilweise war der Weg nicht mehr ersichtlich und wir mussten uns an einigen kurzen Passagen durch die Sträucher drängen. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir eine gut ausgebaute Schotterstraße, denn rund um den Ochi werden fleißig Windräder aus dem Boden gestampft. Der Windpark in dieser Region Euböas stellt den größten Griechenlands dar, ist jedoch aufgrund seines Eingriffs in die Natur nicht unumstritten. Links auf die Straße abbiegen und anschließend weiter bergauf gehen, bis ihr zu einem Wald, wie aus einer anderen Welt gelangt. Riesige, tote Bäume ragen in den Himmel. Das Gehölz bildete einst einen weitläufigen Kastanienwald, heute zeugen nur noch die grauen Baumskelette von der einstigen Pracht. Beeindruckt setzten wir unseren Weg fort. Rechterhand befindet sich eine kleine Schutzhütte, an dieser schlängelt sich der Wanderweg weiter hinauf.

Eine Frau wandert durch dichtes Gebüsch einen Berg hinauf.
Griechenlands größter Windpark auf Euböa.
Eine Frau wandert an einen alten, riesigen Baum vorbei.
Ein Wald voller toter, riesiger Bäume am Berg Ochi.

Hier haben wir uns jedoch etwas verlaufen und sind nicht rechts den Anstieg hinauf, sondern geradeaus auf der ausgebauten Schotterpiste weiter. Diese führt über circa einem Kilometer um einen weiteren kleinen Gipfel. Als wir bemerkten, dass wir falsch waren, war es schon zu spät. Den Gipfel wieder in Sichtweite, marschierten wir querfeldein die letzten Höhenmeter zu einem Plateau. Nach einer kurzen Mittagspause trennten sich unsere Wege. Wir hatten bereits 9 Kilometer und 1.000 Höhenmeter in den Beinen und wir mussten den ganzen Weg auch wieder zurück. Lui wartete während ich mich auf den Weg zum Gipfel machte. Den kleinen Steintürmen folgend ließ ich das Geröll aus Stein hinter mir und erreichte schließlich nach einem weiteren Kilometer den Gipfel. Die Aussicht ist atemberaubend. Zu drei Seiten hat man einen herrlichen Ausblick auf die Küstenabschnitte Euböas mit ihren einsamen Stränden und die umliegenden Inseln. Außerdem thronen hier oben mehrere kleine Steinhäuser und eine Kirche. Ochi ist übrigens von dem Wort "ochevo" abgeleitet und bedeutet "begatten". Denn der Sage nach, sollen Zeus und seine Frau Hera hier zum ersten Mal ... . Aber genug griechische Mythologie, der Abstieg wartete noch auf uns!

Eine Frau trotz dem Wind auf den Berg Ochi mit der Stadt Karystos im Hintergrund.
Alte steinerne Häuser am Gipfel des Ochi untertags.
Das Gipfelkreuz des Ochis im Detail.
Ein Mann steht am Gipfel des Ochi und blickt auf das Tal hinab.
Ein Mann sitzt am Gipfelkreuz des Ochi und lächelt in die Kamera.

Nach insgesamt 19 km und 1.200 Hm erreichten wir beide erschöpft aber glücklich unser rollendes Zuhause. Außer den gefühlt 1.000 Akupunkturstichen aufgrund der stacheligen Büsche und ein paar Blasen an den Füßen hatten wir den Marsch beide gut überstanden. Den Anstieg zu den Säulen können wir wirklich jedem empfehlen. Die wartenden Marmorsäulen sollte jeder gesehen haben, der in dieser Region Griechenlands Urlaub macht. Die weitere Wanderung zum Gipfel hingegen sollten wirklich nur die Fitten unter euch auf sich nehmen. Wer seine Beine jedoch in die Hand nimmt, wird mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Ein echtes Abenteuer eben. Nach diesem kräftezehrenden Gewaltmarsch reizte uns der Süden Euböas und dessen einsame Buchten. Im Dorf Potami erhofften wir uns etwas Erholung und ein paar schöne Tage an der Küste der Ägäis!





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