Ijen-Massiv - Java

Ijen-Massiv bei Sonnenaufgang.

Ein magisches blaues Feuer am Rande eines türkisen Sees, das die dunkle Nacht erhellt. Arbeiter mit riesigen gelben Schwefelbrocken, die sich den Weg durch steinige Pfade bahnen. Ein See, der von Experten als das größte Säurefass der Welt bezeichnet wird und Atemmasken, um sich gegen den beißenden Schwefeldampf zu schützen. Ein Abenteuer, das es in sich hat, aber zu den tollsten Erinnerungen unserer bisherigen Reisen zählt.

Unsere Tour zum Ijen-Massiv starteten wir im Ort Ketapang, der an der Küste zu Bali liegt. Theoretisch könnte man das Massiv auch auf eigene Faust erkunden, wir haben uns allerdings für eine geführte Tour entschieden. Wir bezogen unser Zimmer in einem Hotel, ließen den Abend gemütlich und früh ausklingen, wir hatten an diesem Morgen den Sonnenaufgang am Gunung Bromo bewundert. Und auch diese Nacht sollte wieder kurz werden, denn bereits um 01:00 Uhr nachts warteten wir auf unsere Abholung. Mit circa einer halben Stunde Verspätung kam unser Fahrer und wir stiegen in einen bereits vollen Minibus. Nach 1,5 Stunden Fahrt auf kurvigen Straßen erreichten wir mit leicht mulmigen Magen den Parkplatz Paltuding, der gleichzeitig der Startpunkt unserer Wanderung war. Für alle die selbst anreisen, ihr könnt hier einfach euer Auto abstellen.

Nach einer kurzen Stärkung mit Keksen, Bananen und Tee wurden wir mit Atemmasken und Taschenlampen ausgerüstet. Wir starteten mit ein paar anderen Touristen und einem Guide den Weg hinauf ins Ijen-Massiv. Dieser schlängelte sich zuerst flach durch bewaldetes Gebiet, bis er sich in engen Serpentinen bergauf wand. Teilweise waren viele Menschen unterwegs und einige ließen sich mit Karren von den Einheimischen den Berg hoch ziehen. Was in unseren Augen äußerst absurd ist! Je höher und näher wir dem Krater kamen, desto intensiver wurde der beißende Schwefelgeruch. Den Atemmasken sei Dank, konnten wir auch das letzte Stück unbeschadet überstehen. Nach fast 1,5 Stunden Fußmarsch führte der schmale Pfad um den Bergrücken herum und wir standen am Scheitelpunkt. Wenn ihr gerade aus weitergeht erreicht ihr den Kraterrand mit tollem Blick auf den See und das Kratertal. Es war jedoch noch finster, deshalb bogen wir zuerst links ab, hinunter zum See. Das blaue Feuer ist untertags kaum zu erkennen, aus diesem Grund starten die Touren auch mitten in der Nacht. Aber Achtung, ab hier wird es gefährlich. Der Weg führt über Gesteinsbrocken steil bergab. Hinzu kommt der ständige Gegenverkehr, Menschen die sich nach vorne drängeln und die Arbeiter, die im Tumult der Touristen ihre fragile Ware aus dem Schlund des Vulkans befördern. Es waren ziemlich viele Leute unterwegs und so schlängelte sich die Kette aus Lichtern in der Dunkelheit in die Tiefe. 

Unten am Ufer des Sees angekommen, sahen wir endlich das blaue Feuer und jede Anstrengung war vergessen. Doch die Lichter sind nicht durchgängig sichtbar und wir mussten uns ein bisschen gedulden, bis wir sie ausmachen konnten. Auch hier müssen wir an eure Vernunft appellieren, einige der Besucher haben bei unserem Aufenthalt die Wege verlassen und sich unmittelbar in die Nähe der Gefahrenstelle begeben. Das Feuerwunder entsteht durch austretende Schwefelgase, die sich an der Luft entzünden, denn der Ijen-Vulkan zählt zu den 38 aktiven Vulkanen auf Java. Wenn ihr den Blick etwas schweifen lasst, fallen euch die Rohre am Boden auf. Hier tritt der Schwefel in Gasform aus, wird durch die Rohre abgekühlt und lagert sich an der Erdoberfläche ab. Später kann dieser von den Arbeitern in großen Brocken abtransportiert werden. Diese Form des Schwefelabbaus findet man weltweit nur noch auf Java. Es ist einer der härtesten Jobs der Welt, denn die Schwefelarbeiter steigen mehrmals täglich hinunter in den Krater, um ihre Körbe mit bis zu 100 Kilogramm auf den Schultern zu Tage zu fördern. Im Vergleich zu der Anstrengung und den Gefahren, denen die Arbeiter durch die austretenden, giftigen Gase ausgesetzt sind, klingt der Verdienst geradezu lächerlich, denn für ein Kilogramm erhalten die Arbeiter etwa 900 Rupiah, also ein paar Cent! 

Nach einiger Zeit im Kratertal und der Bewunderung dieser einzigartigen Kulisse ging es den ganzen Weg wieder hinauf zum Kraterrand, denn wir wollten uns den Sonnenaufgang über dem See ansehen. Wir waren mit einem Guide unterwegs, allerdings war von diesem weit und breit keine Spur, was uns etwas nervös werden ließ. Da sie uns keine Uhrzeit nannten, wussten wir nicht einmal wann wir zurück sein sollten. Aber was sollte schon passieren dachten wir uns, ließen unsere Sorgen links liegen und genossen den Sonnenaufgang, der das türkise Säurefass zum Leuchten brachte. Es war magisch. Hier oben auf dem Kraterrand wurde uns erst einmal die Größe des Vulkans bewusst. Beim Abstieg in dessen Krater hatten wir uns vom Ausmaß des Feuerbergs und der Größe des Säuresees aufgrund der Dunkelheit keinen Überblick verschaffen können. Beide übertrafen jegliche Vorstellungen. Wir genossen das Panorama, die Stimmung, die Farben und die wärmenden Sonnenstrahlen auf unserer Haut. Nach einiger Zeit entdeckten wir unseren Guide, der anscheinend auch froh war uns gefunden zu haben. Er teilte uns nur mit, dass es Zeit wäre den Rückweg anzutreten.

Sonnenaufgang am See des Ijen-Masives.

Vollzählig am Bus angelangt wurden wir zurück ins unser Hotel gefahren. Hier gab es erstmal ein reichhaltiges Frühstück. Wie eingangs bereits erwähnt war die Wanderung zum Krater ein Abenteuer, dass es durch aus in sich hatte, aber auch eine unvergessliche Erinnerung, die sowohl zu den Highlights unseres Indonesien Trips, also auch unserer Reisen allgemein zählt! Für uns ging es nach der aufregenden Nacht mit der Fähre weiter nach Bali. Die genauen Ablegezeiten findest du in unseren Blog Transfer. Ein entspannter Tag am Meer in Pemuteran und eine wunderschöne Unterkunft eines deutschen Besitzers warteten auf uns!

Eine kleine Anmerkung noch zu unserer gebuchten Tour. Wir hatten eigentlich extra eine Tour gebucht, die nur 8 Personen pro Guide umfasst, denn wir hatten uns auch ein paar nette Hintergrundinformationen erhofft. Allerdings war uns am Startpunkt bereits klar, dass dies hier nicht der Fall sein wird. Es waren circa 25 Personen auf 2 Guides, also könnt ihr euch genauso gut einen privaten Fahrer mieten und das Ijen-Massiv auf eigene Faust erkunden. Die Gasmasken waren aber durchaus nötig.




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