Gunung Bromo - Java

Gunung Bromo bei Sonnenaufgang.

Mit schwarzen Sand soweit das Auge reicht, dichten Nebelschwaden und entfernten Donner begrüßte uns einer der aktivsten Vulkane Javas. Die Rede ist vom Gunung Bromo, ein 2.329 Meter hoher Stratovulkan, der jüngste seiner Art im Tengger-Vulkan-Massivs und ein beliebtes Touristenziel. Der Gunug Bromo liegt selbst in einem riesigen Vulkankrater, eingebettet in einem Meer aus Sand sorgt er mit tiefem Nebel für eine geheimnisvollen Stimmung. Aber dazu mussten wir zuerst einmal eine beschwerliche Anreise auf uns nehmen!

Ausgangspunkt unserer Reise zum Gunung Bromo war der Tempel Borobudur, den wir am Tag zuvor zum Sonnenaufgang besucht hatten. Dementsprechend ging es am frühen Morgen mit dem Bus zurück zum Bahnhof in Yogyakarta, mit offener Tür und eingepfercht zwischen indonesischen Schulkindern. Dort angekommen kauften wir für ein paar Rupiah ein Zugticket nach Surabaya. So saßen wir eine Weile auf unseren Stühle im Wartebereich, beobachteten die fremden Menschen um uns herum und fragten uns ständig, ob wir unseren Zug schon verpasst hatten. Nach einiger Zeit sprachen uns zwei einheimische Damen, ob sie ein Foto mit uns machen dürften. Natürlich!

Als endlich unser Zug einfuhr herrschte kurz Hektik. Hatten wir alles? War das wirklich unser Zug? Ja er war es und ja wir hatten alles. Nachdem wir unsere Plätze in einem der klimatisierten Wagons gefunden hatten, machten wir es uns bequem, denn die Fahrt sollte ungefähr fünf Stunden in Anspruch nehmen. Die Strecke führte uns durch Java hindurch, vorbei an Reisfeldern, Wäldern und Städten. An den Bahnübergängen warteten scharenweise Rollerfahrer, die die vorbeiziehende Landschaft für einen Wimpernschlag unterbrachen. Es folgte wieder das endlose Grün der Reisfelder. Im Großen und Ganzen verlief die Zugfahrt sehr angenehm und ruhig. Wir vertrieben uns die Zeit mit lesen, schlafen und dem Beobachten der ländlichen Idylle auf der anderen Seite des Fensters. In Surabaya angekommen fuhren wir mit einem Anschlusszug noch einmal zwei Stunden weiter nach Probolinggo, dem Tor zum Vulkan Bromo. Achtung vor den Schleppern, die mit unseriösen Angeboten Touristen über den Tisch ziehen wollen!

In Probolinggo angekommen fuhren wir vom Bahnhof aus in ein Hotel und blieben eine Nacht. Am nächsten Morgen schnappten wir uns ein Privattaxi, das uns zum Kraterrand in den Ort Cemoro Lawang bringen sollte. Nach einer kurzen Verhandlung einigten wir uns auf 40 $, packten unsere Rücksäcke in den Kofferraum und fuhren los. Zuerst waren die Straßen noch angenehm breit und gerade, nach einer Stunde schlängelte sich der Weg allerdings immer mehr den Berg hinauf. Unzählige Schlaglöcher, eine Vielzahl an entgegenkommender Fahrzeuge und eine Baustelle, bei der wir uns mehrmals verfahren hatten, strapazierten die Nerven unseres Taxifahrers ungemein. Zwischenzeitlich musste dieser auch noch nach dem richtigen Weg fragen. Die Fahrt nahm insgesamt 3 Stunden in Anspruch und unser Fahrer wollte bis zuletzt nicht wahrhaben, dass wir wirklich ganz oben am Kraterrand nächtigen würden. Unsere Unterkunft für diese Nacht lag bereits im Gebiet des Nationalparks. Als wir schließlich oben angekommen waren, tat uns der Fahrer leid. Und so gab es noch ein gutes Trinkgeld zum Fahrpreis dazu.

Der Ort selbst liegt direkt am Kraterrand des Riesenvulkans und bietet einen ersten Ausblick auf die Sea of Sand und den Vulkan Bromo. Allerdings war es bei unserer Ankunft bereits 15 Uhr und die ersten Nebelschwaden zogen in den Krater, was uns noch zum Verhängnis werden sollte. Guter Dinge marschierten wir hinunter in die Sea of Sand. Wir waren zu diesem Zeitpunkt die einzigen Touristen und Heerscharen an Verkäufern belagerten uns auf den Metern hinab ins Kratertal. Die Einheimischen wollten uns mit ihren Rollern direkt zum Bromo fahren, da wir allerdings lieber zu Fuß die Strecke bestreiten wollten, versuchten wir die Menschen abzuhängen. Ein Verkäufer war äußerst aufdringlich und fuhr mit dem Roller neben uns  her. Wir wiederholten unsere Absicht zu Fuß gehen zu wollen. Unten angekommen fragten wir an einer Weggabelung den Rollerfahrer, der immer noch an unserer Seite war, in welche Richtung wir müssten. Links. Gesagt, getan. Wir gingen los. Die Sicht war auf 30 Meter begrenzt. Der Rollerfahrer ließ nicht von uns ab, doch wir marschierten weiter ins Ungewisse. Nach einiger Zeit änderte unsere ungewollte Begleitung seine Aussage und meinte nur noch "You are wrong!". Wir ignorierten ihn. Irgendwann sah er es ein und ließ uns ziehen. Doch nach einer Stunde dämmerte uns allmählich, dass wir wahrscheinlich in die falsche Richtung gegangen waren, beziehungsweise hatte uns der Einheimische dorthin geschickt. Der Weg zum Bromo hätte insgesamt nur 30 Minuten in Anspruch nehmen sollen. Da standen wir also, inmitten eines aktiven Vulkans in einem Meer aus Sand, die Sicht gleich Null. Unsere einzige Orientierungshilfe waren die im Boden platzierten Pfeiler. Aus der Richtung, in die wir seit einer Stunde gingen, kamen in stetigen Abständen Jeeps, die das Tal durchquerten. Wir entschlossen uns einen anzuhalten und nach dem Weg zu Fragen. Die Insassen bestätigten uns, dass wir tatsächlich in die komplett falsche Richtung marschierten, aber die beiden Schwedinnen, die den Jeep gemietet hatten, luden uns zur Mitfahrt ein. Wir nahmen die Einladung dankend an. So hatten wir noch einmal Glück im Unglück.

Endlich hatten wir nach dem "kleinen" Umweg den Fuß des Vulkans erreicht. Eigentlich braucht man für diese Strecke circa 30 Minuten, bei uns waren es eher 1,5 Stunden. Ab hier führte ein schmaler Sandweg hinauf zum Kraterrand. Zuerst war dieser noch relativ breit, doch am Ende des Anstiegs muss eine steile Treppe bewältigt werden. Je näher wir dem Vulkankrater kamen, desto lauter wurde das Donnern aus dessen Inneren. Oben angekommen blickten wir in den rauchenden Schlund und realisierten, wie klein und unbedeutend man doch selbst im Angesicht solch einer Naturgewalt ist. Vor allem wenn man bedenkt, dass sich der Gunung Bromo selbst in einem riesigen Krater befindet, der vor Millionen von Jahren durch einen Vulkanausbruch geschaffen wurde.

Sea of Sand mit den Vulkan Bromo im Hintergrund.
Schlund des Gunung Bromo mit aufsteigenden Rauch.

Als die Dämmerung einsetzte, machten wir uns auf den Weg zurück zu unserer Unterkunft. Hier muss angemerkt werden, dass die meisten Touristen nur ein bis zwei Nächte in diesem Örtchen verbringen und dementsprechend die Unterkünfte sehr spartanisch ausgestattet sind. Da wir selbst nur eine Nacht blieben, nahmen wir dies in Kauf und mussten beispielsweise auf fließendes Wasser verzichten und hatten eine Badezimmertür, die nur 1,60 Meter hoch war. Es sollte ohnehin eine kurze Nacht werden, denn wir wollten uns am nächsten Tag den Sonnenaufgang an einem Aussichtspunkt ansehen. Ach und beim Rückweg vom Krater zur Unterkunft überholte uns ein Roller. Sie blieben 20 Meter vor uns stehen. Als wir sie eingeholt hatten fragten sie, ob sie ein Foto mit uns machen dürften. Natürlich!

Um 03:00 Uhr früh beendete der Wecker unseren unruhigen Schlaf. Wir waren beide froh endlich durchstarten zu können. Bewaffnet mit Müsliriegeln und einer Stirnlampe ging es in die dunkle Nacht. Den genauen Weg haben wir euch in der Karte (siehe oben) eingezeichnet. Nach einer Stunde Gehzeit durch die Dunkelheit, wir waren nicht alleine unterwegs, denn der Sonnenaufgang ist das Highlight am Vulkan, erreichten wir den Aussichtspunkt "King-Kong Viewpoint". Einige Sunrise Spots sind regelrecht überlaufen, wir fanden jedoch ein ruhiges, windstilles Plätzchen und warteten. In der Finsternis konnte man vereinzelte Lichter ausmachen, die ebenfalls auf dem Weg zu einem der Aussichtspunkte waren. Zieht euch warm an und nehmt euch noch eine Schicht Kleidung mit, denn auf dem Weg nach oben kommt man ins Schwitzen und anschließend kühlt man in der Kälte sehr schnell aus. Nach einer Stunde Wartezeit blitzten die ersten Sonnenstrahlen hervor und der umliegende Kraterrand färbte sich im morgendlichen Licht. Als die Sonne vollends auf die Vulkane viel, stieß der entfernte Gunung Semeru eine kleine Wolke aus und machte das Panorama perfekt. Je kräftiger die Sonne wurde, desto atemberaubender wurde der Anblick.

Panoramaaufnahme vom Vulkan Bromo beim Sonnenaufgang.
Rötlich gefärbte Vulkanlandschaft beim Sonnenaufgang.

Als die Sonne komplett aufgegangen war, machten wir uns auf den Rückweg. Je tiefer wir kamen, desto mehr Menschen trafen wir an, die sich teilweise mit Pferden oder Eseln zu den Aussichtspunkten bringen ließen. Wieder im Dorf angekommen packten wir unsere Sachen und marschierten zu Fuß zum Ortskern. Hier trafen wir eine Kolonne von Jeeps an, die die Touristen ins Kratertal brachten. Die Fahrzeuge blockierten alle Straßen, ohne ein Stück vor oder zurück zu gelangen. Die Motoren liefen trotzdem und die Abgase verunreinigten die Luft. Wieder ein Ereignis mehr, dass uns darin bestätigte die Strecken lieber zu Fuß zurück zu legen. Mit einem Gemeinschaftsbus fuhren wir zurück in die Stadt Probolinggo. Hier brachte uns ein Zug in das 5 Stunden entfernte Ketapang an der Küste zu Bali. Unsere letzte Etappe auf Java erwartete uns bereits, das Ijen-Massiv!




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