Drymonas Waterfalls - Euböa

Ein hoher Wasserfall stürzt untertags in ein Becken in der Nähe des Ortes Drymonas.

Dem Süden Euböas hatten wir den Rücken gekehrt, starker Wind und Regen waren die Wettervorhersage der nächsten Tage. Da wir genug vom Winter hatten, zog es uns vom Osten weiter hinauf, besser gesagt in den Norden der griechischen Insel. Dieser soll mit seinen dichten Wäldern und hohen Bergen ein landschaftliches Highlight der Insel sein und bereits die Anreise versprach so einiges. Wir überquerten Bergpässe, passierten Engstellen und sogar den höchsten Berg Euböas, den Dirfi bekamen wir zu Gesicht. Mit seinem noch mit Schnee bedeckten Gipfel türmte sich dieser am Abend vor uns auf.

Ein Pärchen sitzt vor ihren VW-Bus und lächelt in die Kamera, im Hintergrund sind hohe Berge.

Es folgte eine dementsprechend kalte Nacht, zum Sonnenaufgang zeigte unser Thermometer nur einstellige Plusgrade, so machten wir uns eilig auf den Weg zu unserem nächsten Ziel, den Drymonas Waterfalls. Diese liegen im Landesinneren der griechischen Insel und sind über schmale, kurvige Straßen erreichbar. Doch bereits bei der Anreise bemerkten wir die ersten Anzeichen der Katastrophe, die sich hier im Sommer 2021 abspielte. Verheerende Waldbrände zerstörten über 50.000 Hektar Fläche, darunter auch außergewöhnlich vielfältige Waldgebiete, die nur im Nordwesten Euböas vorkommen. Wir stellten uns während der Fahrt die Frage, wie lange es dauern wird, bis sich die Natur wieder vollständig erholt hat und waren von der Antwort überrascht. 10 Jahre nach dem Brand leben geschätzt doppelt so viele Arten im vernichteten Wald, als im unversehrten Nachbarwald. Dennoch dauert es über 100 Jahre, bis sich die selbe Tier- und Pflanzenwelt ansiedelt, wie vor dem Brand.

Ein verbrannter Wald mit verkohlten Baumrinden.

Auch unser Ziel, die Drymonas Waterfalls wurden nicht vom Brand verschont. Als wir am Parkplatz ankamen, zeugten nur noch die schwarzen, verkohlten Baumstämme vom einstigen Märchenwald. Pavillons und Infotafeln hießen hier die Besucher vor den Bränden willkommen, heute sind nur noch die Fundamente des einst idyllischen Erlebnispfades zu erkennen. Nichtsdestotrotz holt sich die Natur ihre verkohlten Gebiete wieder zurück. So sind es Farne, die aktuell den Waldboden wieder erobern und trotz der Tragödie 2021 einen Lichtblick im dunklen Baumfriedhof geben. Wir folgten dem gepflasterten Weg, passierten den kontrastreichen Wald und erreichten nach einigen hundert Metern bereits das eigentliche Highlight. Über 15 Meter stürzt das Wasser in ein kleines Becken, das zu einem kurzen Sprung in das kühle Nass einlädt. Im Winter und Frühjahr, wie bei unserem Besuch, ist der kleine See gut gefüllt, in den heißen Sommermonaten soll der Fluss Sepia allerdings fast kein Wasser mehr führen. Wir folgten dem schmalen Pfad weiter, denn es war Wochenende und unerwartet viele Menschen vor Ort. Deswegen zogen wir es vor, etwas unterhalb in ein weiteres großes Becken zu springen und uns im Anschluss in der kräftigen Frühlingssonne aufzuwärmen. Wir genossen die Stille.

Langzeitbelichtung eines Wasserfalls mit angrenzenden Becken.
Drohnenaufnahme vom Drymonas Waterfalls und eines VW-Buses untertags.

Für den eigentlichen Rundweg an den Drymonas Waterfalls benötigt ihr ohne Abstecher circa 15 Minuten, dementsprechend sind viele Besucher nur kurz vor Ort. Wenn ihr noch etwas mehr von der Gegend sehen wollt, führt gegenüber vom Parkplatz ein kleiner Pfad 3 Kilometer hinauf zum Gipfel des Berges Xiron Oros. Hier bietet sich euch ein herrlicher Ausblick auf die Insel Euböa, das angrenzende Meer und das nahe gelegene, gleichnamige Dorf Drymonas. Die Namensgebung leitet sich von dem griechischen Wort für Eichen ab und spiegelt die große Anzahl dieser Bäume rund um das Dorf wider.

Drohnenaufnahme eines verbrannten Waldes.

Den Besuch bei den Drymonas Waterfalls können wir euch nur empfehlen. Auch wenn durch die Brände die grüne Idylle zerstört wurde, ist es doch interessant zu sehen, wie sich die Natur das verbrannte Areal Schritt für Schritt zurückholt und ein Wasserfall geht natürlich immer! So ganz konnten wir dem schlechten Wetter leider dennoch nicht entfliehen. Nach unserem Sprung in den Fluss und dem anschließenden Sonnenbad verdunkelte sich der Himmel auch hier im Norden Euböas wieder über uns. Wir stiegen in den Bus, denn bei unserem nächsten Ziel war uns die Witterung herzlich egal. Uns zog es in die heißen Quellen des Ortes Edipsos, im Norden der Insel. Zwei Wellnesstage standen am Programm und wir freuten uns schon wahnsinnig auf die heißen Becken!





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